Second Screen App: Stuttgarter Startup FlickStuff revolutioniert Fernsehen

second screen app #flickstuff

Als Second-Screen App bezeichnet man eine Anwendung, die parallel zum TV angewendet wird.

Bereits heute nutzt die Mehrheit der Zuschauer ihr Smartphone während sie fernsieht. Immer öfter wird das Gesehene live auf Twitter oder Facebook kommentiert, Fernsehen scheint das viel kritisierte „social cocooning“ abzulegen und entwickelt sich zurück zum Medium des Zusammentreffens. Die Lagerfeuerfunktion setzt sich hier über räumliche Grenzen hinweg: die Digital Natives treffen sich auf den Facebook-Seiten der Serienstarletts, jeder für sich auf dem Sofa.

Ähnlich wie in Youtube-Videos steigt auch beim Fernsehkonsumenten der Wunsch, dem Protagonisten nachzueifern. Wer trägt was? Wo kann ich das Oberteil kaufen, das meine Lieblingsschauspielerin in Szene xy trägt? Gibt es den Teppich auch in lila und wo kann ich ihn bestellen?

Eine universelle Anwendung statt lästiger manueller Suche

Der Stuttgarter Dominique Rau stellte sich solche Fragen ebenfalls. Er wollte Wandschmuck haben, den er in einer Serie gesehen hatte. Nach langer, erfolgloser Suche änderte er seine Vorgehensweise: Er suchte nicht mehr nach einem Produkt, sondern nach einer App, die ihm die Suche abnimmt.

Diese Planänderung entpuppte sich ebenfalls als Enttäuschung. Statt einer universellen App für alle Produkte und Fernsehsender fand er lediglich eine für Frauenkleider.  „Das kann es doch in Zeiten von Shazam & Co nicht sein, dass es sowas nicht gibt“, dachte sich der 27-Jährige damals und beschloss, das Problem selbst in die Hand zu nehmen.

Mit seinem langjährigen Studienkollegen Johannes Knittel stand der Entschluss, ein Startup zu gründen und die durch Zufall gefundene Marktlücke erfolgreich zu schließen. Die beiden kennen sich seit dem ersten Semester, beide waren HiWis in der Abteilung Mensch-Computer Interaktion von Prof. Dr. Albrecht Schmidt, bearbeiteten in- und externe Projekte des Instituts zusammen. Während des Masterstudiums verbrachten beide eine Zeit im Ausland, in der die Idee weiter ausreifen konnte.

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FlickStuff Gründer Johannes Knittel und Dominique Rau

„Parallel zum Schreiben der Masterthesis in Informatik haben wir uns den Businessplan aus den Fingern gesaugt“, erzählt Johannes lachend. Dieser floss mit ein in das Ideenpapier für ein Exist-Stipendium, welches vom Europäischen Sozialfonds mitfinanziert wird. Die Förderung läuft ein Jahr und hält den Gründern den Rücken frei, damit diese weiter an ihrem Produkt arbeiten können.

Das Stipendium beinhaltet ein Büro im Informatikgebäude an der Uni. Während im unteren Stockwerk Vorlesungen gehalten werden, tüfteln die Jungs von FlickStuff ein Stockwerk weiter oben. Ihr Mentor Prof. Schmidt sowie die älteren Startups im Programm sitzen direkt neben an: „Wir können uns glücklich schätzen, von Seiten der Uni und des Gründungsnetzwerks so viel Unterstützung bekommen zu haben“, sagt Dominique, „gerade in der Anfangszeit hat uns das sehr geholfen.“

Eine universelle App für alles: Keine vergleichbare second screen app auf dem Markt

Momentan gibt es weder in den USA noch in Europa eine vergleichbare Lösung, FlickStuff birgt großes Potential. „Unser Ziel ist es, eine universelle Anwendung zu erschaffen und den Markt damit zu erobern “, erklärt Dominique. Er und Johannes möchten die Spezifika von RTLApp, TheVoiceApp, KikaApp usw. bündeln und eine Plattform schaffen, in der als Ergänzung zum TV-Programm soziale Interaktion stattfinden kann.

FlickStuff kombiniert drei essentielle Aspekte:

1) Egal ob Musiktitel, Klamotten, Wanddeko: Produkthinweise gibt es zu allen Sendungen bei allen Sendern

2) Wissenswertes rund um Sendung, Schauspieler etc..

3) interaktive Kommunikationsplattform: Facebook- & Twitterkommentare werden automatisch miteingebunden; aktuelle Trends werden hervorgehoben

FlickStuff erkennt anhand von ‘Audio Fingerprints’, welches Programm gerade läuft und bietet interessante Zusatzinformationen wie der gerade abgespielte Musiktitel für den Nutzer. Diese können unter anderem mit Kooperationen großer Firmen monetarisiert werden. Setzt sich die App durch, könnte sie auch der Branche des Product Placement zum Sprung auf eine völlig neue Ebene verhelfen.

FlickStuff Marktantritt Ende 2016

Zurzeit befindet sich FlickStuff in der Testphase mit einer Pilot-App. Ende 2016 soll die App auf den Markt kommen, dann läuft das Stipendium aus und es wird Zeit für einen Investor.

„Bei uns gibt es entweder Top oder Flop“, erläutert Dominique den Plan, „dafür sind wir aber breit aufgestellt, was unsere Zielgruppen angeht.“ Die Generation der Best Ager gerät als neue Zielgruppe ins Visier der jungen Entrepreneure, denn Menschen über 50 finden immer mehr Gefallen an Smartphones und möchte das Internet verstehen. Ein weiterer Markt für FlickStuff.

Mit 10.000 Nutzern können Dominique und Johannes wenig anfangen. Aber bei potentiellen 15 Millionen Nutzern, einer Innovation dieser Art und der richtigen Vermarktung stehen die Erfolgsaussichten auf hohe Nutzerzahlen gut.

Durch ihre Universalität grenzt sie sich deutlich von Mitbewerbern ab, die Chancen stehen dementsprechend gut. Schafft die App den Durchbruch, könnte FlickStuff das klassische Fernsehen revolutionieren. Ob das klappt? Die Stauzeitung wird weiter berichten!

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