Sharing Economy: Die neue Konsumkultur

sharing economy startup thangs

Wir möchten Startups nicht nur vorstellen, wir möchten unserer Leser auch über aktuelle Veränderungen in unserer digitalen Gesellschaft informieren. Im Zuge dessen erklären wir heute das Phänomen Sharing Economy am Beispiel des Startups thangs.

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Die Generation Y legt immer weniger Wert auf Besitz. Vielmehr geht es der jungen Welt darum, Zugriff auf die Dinge zu haben, wenn man sie braucht. Dann muss man sie nämlich nicht kaufen und kann das Geld sinnvoller verwenden. Nützlicherweise gibt es hier eine Erfindung mit dem Namen Smartphone. In Verbindung mit dem Internet (hat sich das tatsächlich durchgesetzt!) schafft es einen ultimativen Ort des Allwissens und Allhabens, jederzeit, an jedem Ort.

Heute arbeitet man im co-working space, fährt danach mit einem car2go nach Hause und stellt sein Zimmer bei Airbnb Fremden als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung, wenn man im Auslandssemester oder auf Geschäftsreise oder bei der Oma ist. Eine neue Dimension von Geben & Nehmen in einer vernetzten Welt.

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Das neue Geben und Nehmen der Generation Y: Die Sharing Economy

Der Überbegriff für das vernetze Geben & Nehmen nennt sich Sharing Economy. Diese Lebenseinstellung ist auch in Deutschland immer mehr im Kommen und ist in 3 Kategorien einteilbar:

1) Product Service Systems

—> Das Teilen von materiellen oder digitalen Dingen,  zB Streaming Dienste (Netflix, Spotify), Car Sharing Systeme wie car2go oder Sharing Plattformen wie thangs

Man bezahlt nicht für eine Bohrmaschine, eine CD oder ein Auto, sondern allein für den Zugriff darauf.

2) Collaborative Lifestyle

–  Das Teilen von Mobilität: Mitfahrgelegenheiten, zB BlaBlaCar

–  Das Teilen von Geld: Crowdfunding Plattformen, zB Kickstarter

–  Das Teilen von Raum: Co-Working Spaces, Unterkünfte, Wohnraum, zB Airbnb

3) Redistribution Markets

– Gebrauchtes verkaufen, zB eBay

– Klamotten tauschen oder verkaufen, zB Kleiderkreisel

– Essen teilen, zB foodsharing

Benutzen statt Besitzen

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sharing Economy ist die Auflehnung gegen die vorherrschende Wegwerf-Gesellschaft der westlichen Welt.

„Ziel ist es, die Ressourcen effektiver zu nutzen und besser zu verteilen“, sagt Sammy Schuckert, einer der Gründer des Sharing Economy Startups thangs, „unsere Generation achtet darauf, wenig zu verschwenden.“ Dieses Phänomen untersuchte Sammy mit zwei seiner Kommilitonen, Samuel Nau und David Paul. Aus der gemeinsamen Bachelorarbeit wurde ein Businessplan und aus den Studienfreunden wurden Gründer.

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Die Gründer von thangs: Samuel Nau, Sammy Schuckert und David Paul (v.l.n.r.)

Von der Bachelorarbeit zum Businessplan 

Die Aufgabe für die Bacheloarbeit an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd bestand darin, ein reales Problem zu finden und dafür eine Lösung zu entwickeln. Die drei jungen Männer entdeckten eine Lücke bei den Sharing Plattformen für Alltags- und Haushaltsgegenstände: Die vorhandenen Plattformen kopierten oftmals das Konzept von Airbnb: Wer etwas zu vermieten hat, macht ein Foto, lädt es hoch und preist es an. Das ist sowohl für Geber als auch Nehmer bei Gebrauchsgegenständen unpraktisch: Der Nehmer muss sich durch viele Angebote klicken, der Geber all seine Gegenstände fotografieren – er wird nie alles in die Plattform einpflegen.

Sammy, Samuel und David entwickelten eine Lösung, die das Airbnb-Prinzip rumdrehte: Der Suchende gibt eine Annonce auf, die jeder seiner dafür bestimmten Telefonkontakte sehen kann. Wer den gesuchten Gegenstand besitzt, kann mit einem einfachen Ja oder Nein dem Suchenden antworten – nicht mehr und nicht weniger. Dies ermöglicht eine eindeutige Antwort zu bekommen. Das große Blabla kann, bei einem Ja, da nach im Chat geschehen. Auf diese Art und Weise kann mehr gefunden werden. Dazu kommt ein praktisches Feature, welches lästiges Hinterherrennen umgeht: Der Geber sieht in der App, welche Gegenstände er an wen und wie lange verliehen hat. Der Nehmer erhält von der App eine Benachrichtigung, wenn es Zeit ist, den Gegenstand wieder zurück zu geben – so hat man immer alles im Blick. 

sharing economy startup thangs

bei thangs behalten die Nutzer den Überblick

Ein weiterer wichtiger USP von thangs ist Vertrauen. Durch die Nutzung der Telefonkontakte kommen nur Leute für potentielle Leihgeschäfte in Frage, die man persönlich kennt. Dazu kommt, dass man bei thangs vorerst kein Geld verdienen kann. So wird verhindert, das wirtschaftliche Absichten den Gedanken des „Miteinander teilen“ verdrängen.

Aus Spaß wurde Ernst

In der Bachelorarbeit (BA) wurden sämtliche Lösungen „auseinandergenommen“. Am Ende fiel die Resonanz von Hochschule und Bekanntenkreis so positiv aus, dass das Trio von allen Seiten zur Gründung motiviert wurde. Sie beschlossen, weiter zu machen und die App thangs, das Endprodukt aus ihrer BA, auf den Markt zu bringen.

„Ende Februar 2015 standen wir dann erstmal da“, sagt Sammy, „wir hatten als Designer keinerlei Expertise in der Entwicklung von Apps.“ Auf Startup-Veranstaltungen wie dem Startup Weekend Stuttgart sammelten die drei nützliche Kontakte und Erfahrungen. „Auch wenn die ersten Pitches ohne Treppchenplätze ausgegangen sind, haben wir nie den Kopf in den Sand gesteckt und immer weiter gemacht“, sagt der 25-Jährige. Am Ende hat es sich gelohnt: Das Preisgeld des Landeswettbewerb ShareBW finanzierte die Gründung zur GmbH. thangs war von 60 Einreichungen eines der fünf Gewinnerteams.

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Seit der Ernennung zur GmbH geht es rund: Mittlerweile ist das Team zu acht: 1 BWLer, 4 Entwickler und die 3 Gründer/Designer. „Da kam einiges auf uns zu“, erzählt Sammy, „klar haben wir uns mal gefragt: Können wir das überhaupt? Das war eine anfängliche Phase des Umbruchs. Schön zu sehen, dass wir die erfolgreich überstanden haben!“

Beim Digitalisierungsgipfel sollen erste Ergebnisse präsentiert werden

Obwohl das Team für so ein früheres Stadium ungewöhnlich groß ist, bleibt der Führungsstil der Junggründer sehr flach und gleicht eher einer freundschaftlichen Projektgruppe. Bei thangs herrscht Transparenz, alle Teammitglieder werden miteinbezogen und über jeden Schritt informiert.

„Wir arbeiten momentan alle in unserer Freizeit“, erklärt Sammy, „aber das ändert sich natürlich bald.“ Er selbst wird sein Masterstudium pausieren und sich voll und ganz thangs widmen.  Ziel ist es, auf dem Digitalisierungsgipfel im Juli 2016 in Karlsruhe auf der Bühne zum Thema Sharing Economy erste Ergebnisse zeigen zu können.

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Spannende Geschäftsmodelle hat das Team in petto, die alle den Anspruch haben dem Nutzer einen zusätzlichen Mehrwert zu den Kernfunktionen der App zu bieten. Um diese zu implementieren wird für die drei Entrepreneure Risikokaptial eines Investors interessant, sobald die Entwicklung diesen Sommer abgeschlossen ist. Dann möchten die Jungunternehmer ihren Lebensunterhalt von thangs bezahlen können, denn momentan arbeiten sämtliche Teammitglieder ohne Anstellungsverhältnis auf Vertrauensbasis – was spannend ist aber nicht auf Dauer so bleiben soll.

Die Zukunft der Sharing Economy? 

Den Konsum wird es immer geben. Wenn nichts gekauft wird, gibt es auch nichts zum Verleihen. Das gegenseitige Teilen und Verleihen funktioniert nicht in allen Bereichen. „Trotzdem wird die Sharing Economy die Industrie nachhaltig beeinflussen“, erklärt Sammy. Die Konzerne müssten darüber nachdenken, wie sie ihre Produkte für mehrere Personen nutzbar machen. Der Trend geht ganz klar weg von der Wegwerfgesellschaft. Erste Beispiele kommen aus der Automobilindustrie: Hier gibt es bereits Autos, deren Voreinstellungen sich je nach Nutzer modifizieren lassen.

Ziel ist es, thangs als festen Bestandteil der deutschen und bald auch der internationalen Sharing Economy zu etablieren. Ob das klappt? Die Stauzeitung wird weiter berichten!

Weitere Infos unter:

www.thangsapp.com

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