Startup will alles nur nicht disruptiv sein

Spendenportal

„Her mit der Marie“ nennt sich ein neues Münchner Spendenportal, das den Spagat zwischen Geldverdienen und Moral wagt. „Marie“ steht dabei für die im österreichischen Raum weit verbreitete Metapher für Geld. Übersetzt nennt sich die Website somit recht dreist „Her mit dem Geld“. Damit unterscheidet sie sich deutlich von den übrigen Spendenportalen, die zudem i.d.R. gemeinnützig sind und vor allem auf die Not hinweisen; Marie will hingegen unterhalten. Das größte Spendenportal ist mit „Betterplace“ gemeinnützig und recht erfolgreich. Die in 2015 generierten knapp 10 Mio€ an Spenden sind im Vergleich zum Gesamtaufkommen der Spenden in Deutschland (rund 6 Mrd.Euro) aber eher gering.

Im Gegensatz zu „Betterplace“ & Co. bekannt sich „Her mit der Marie“ zum Geldverdienen und hätte damit ein moralisches Problem, wenn es den gemeinnützigen Spendenportalen Spendern abwerben wollte. Aus diesem Grund bezeichnet es sich zwar als völlig neuartig, aber keinesfalls als disruptiv. Was macht die Neuartigkeit aus? Guido Bruch, der Haupt-Ideengeber, hat als Ziel die Gewinnung der bisherigen Nicht-Spender mittels unterhaltsamen, emotionalen bzw. hintergründigen Fragen. Insbesondere jüngere und Singles spenden häufig nicht. Wer seine Meinung bei einer der täglich neuen Abstimmungen auf „Herr mit der Marie“ kundtun will, muß diese mit einer Geldspende an eines der zur Auswahl stehenden Hilfswerke gewichten. Auf diese Weise entstehenden nicht nur die üblichen Umfrage-Ergebnisse (60% Pro/ 40% Contra), sondern auch Spenden-Ergebnisse. Durch die Hinterlegung mit Geld wird offensichtlich, wie wichtig den Abstimmenden die Sache ist. Insofern sieht sich das Startup als Alternative zu Shitstorms. Der Spender tut nicht nur Gutes, sondern ist letztlich sein eigener Lobbyist.

Das Erlösmodell des Startups besteht in der Verrechnung einer Provision, die – incl. Umsatzsteuer – 15% der generierten Spenden erreicht. Dieser Wert liegt unter vergleichbaren Aufwendungen für die Gewinnung von Erstspendern. Zudem können die Hilfswerke in der Folge auf direkte Zuwendungen der Neu-Spender hoffen.

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